Epilog

Zur Verteidigung

Das Kochbüchlein kann nicht der Öffentlichkeit übergeben werden, ohne gegen den Vorwurf geschützt zu sein, der vielleicht erhoben werden könnte. Es ist der, dass es einer allzu vergnügten, leichtfertigen Lebensauffassung die Wege ebne und den Grund zu einer Massenkultur dicker Bäuche legen könnte.

Weit gefehlt! Das Büchlein ist weit eher geeignet, Qualitäts- denn Quantitäts-Esser zu züchten. Sein erzieherischer Wert beruht gerade darin, dass der verständnisvolle Leser daraus die Anregung schöpfen wird, die Herstellung seiner Speisen zu verfeinern und zu individualisieren, und dieses ist der beste Schutz gegen sinnloses Quantitäts-Essen.

Über die Höflichkeit bei Tische

Speist man mit Vornehmen, nehme man dem Hut vom Kopf und kämme sich das Haar.

Trinke mäßig schlürfend, nicht hineinschluckend mit dem Geräusch eines Gauls.

Mit den Fingern in die Sauce hineinzutauchen ist nicht schicklich, auch die Schüssel so zudrehen, daß die besten Stücke an dich kommen.

Die Finger abzuschlecken, am Rock abzuwischen, ist nicht fein, das darf man nur am Tischtuch tun.

Falls man etwas nicht schlucken kann, hält man sich die Serviette vor den Mund und wirft es unter den Tisch.

So auch die Knochen, doch gebe man acht, dass andere Gäste nicht zu Schaden kommen.

Erasmus von Rotterdam im Jahre 1530

Anmerkungen zum Besteck

Nur ein Sechstel der Weltbevölkerung greift beim Essen zu Messer, Gabel, Löffel. Viel mehr greifen zu Essstäbchen, etwa ein Drittel aller Menschen. Und der Rest? Der isst mit den Fingern, so wie das in unseren Breitengraden ja auch lange üblich war.

Hildegard von Bingen (1098-1179) hielt die damals noch zweizinkige Gabel für Teufelszeug.

Eine italienische Schrift aus dem 17. Jahrhundert über feines Benehmen fordert auf, Gabeln und Löffel vom Tisch zu verbannen: Hat uns die Natur nicht fünf Finger an jeder Hand geschenkt? Warum sollen wir sie mit diesen dummen Geräten beleidigen, die eher dazu taugen, Heu aufzuladen als das Essen?

Sich beim Essen nicht die Finger beschmutzen zu wollen, das galt als affektiert und weibisch. Noch Martin Luther schnaubte verächtlich: Gott behüte mich vor Gäbelchen.