Exkurs:
Rassismus

Vorbemerkung

Sie erfinden für sich den Begriff "Rasse" neu, und legitimieren letztlich damit Rassismus.
Sie können dann ja beim hpd Ihre Thesen zum Thema "Rasse" erklären. Wie wäre es mit der Überschrift: "Dr. Lengerkes Rassenkunde"?

Mit diesen Bemerkungen meinte ein Kritiker, sich mir gegenüber disqualifizieren zu müssen. Er reagierte auf meinen Kommentar zu einem Aufsatz im Humanistischen Pressedienst: Es gibt keine Menschenrassen.

Ich kommuniziere mit diesem Herrn nicht mehr – er hat den frustranen Versuch unternommen, mich zu beleidigen. Gleichwohl: Meine Einstellung zum Thema Menschenrassen hätte ich gern geklärt. Daher dieser Text.

Jenaer Erklärung

Die Deutsche Zoologische Gesellschaft in Jena hielt 2019 eine Jahrestagung ab. Dort wurde die Jenaer Erklärung formuliert: Das Konzept der Rasse ist das Ergebnis von Rassismus und nicht dessen Voraussetzung. Über diese Erklärung berichtete der Humanistische Pressedienst.

In der Erklärung referieren deren Verfasser zunächst über das historische Rassenverständnis. Besonders hervorgehoben wird der Jenaer Professor Ernst Haeckel (1834-1909, Mediziner, Zoologe, Philosoph und Freidenker). Seine Forschungsergebnisse hätten in fataler Weise zu einem angeblich wissenschaftlich begründeten Rassismus beigetragen.

Auch der Biologe Ernst Mayr (1904-2005) sähe die Existenz von Rassen als biological fact an. Er habe die geografischen Distanzen als Ursache gesehen (siehe Bild unten). Heute wird diese taxonomische Unterschiedlichkeit überwiegend aus einer genetischen Distanz bestimmt, so erklären die Jenaer Biologen weiter.

Welche genetische Differenzierung ausreichend wäre, um Rassen bzw. Unterarten zu unterscheiden, sei aber rein willkürlich. Das Konzept von Rassen/Unterarten in der Biologie sei also ein reines Konstrukt des menschlichen Geistes. Bei Haustierrassen allerdings sei das ganz etwas anderes.

Die Verfasser betonen, dass die genetischen Unterschiede minimal seien. Diese Behauptung stellt das zentrale Argument der Jenaer dar:

Beim Menschen besteht der mit Abstand größte Teil der genetischen Unterschiede nicht zwischen geografischen Populationen, sondern innerhalb solcher Gruppen.
[…]
Anstelle von definierbaren Grenzen verlaufen zwischen menschlichen Gruppen genetische Gradienten. Es gibt im menschlichen Genom unter den 3,2 Milliarden Basenpaaren keinen einzigen fixierten Unterschied, der zum Beispiel Afrikaner von Nicht-Afrikanern trennt.

also:

Der Nichtgebrauch des Begriffes Rasse sollte heute und zukünftig zur wissenschaftlichen Redlichkeit gehören.

Kritik …

… hinsichtlich der Genetik

Die Behauptungen der Jenaer Erklärung sind keineswegs neu. Schon 1995 gaben Teilnehmer der wissenschaftlichen Arbeitsgruppe der UNESCO-Konferenz Gegen Rassismus, Gewalt und Diskriminierung eine Stellungnahme zur Rassenfrage ab. Auch sie betonen, daß die genetische Diversität beim Menschen gleitend ist und keine größere Diskontinuität zwischen den Populationen anzeigt.

Dazu muss man wissen, dass Wissenschaftler weder 1995 noch 2019, noch heute in der Lage sind, genetischen Code tatsächlich zu lesen. Sie können zwar die einzelnen Zeichen, also die Basenpaare der DNS, ausmachen und deren spezifische Anordnung mit anderen Individuen vergleichen. Sie sind aber weit davon entfernt, deren Information auslesen zu können. Der Text ist viel zu kompliziert, als dass das auf absehbare Zeit möglich wäre. Die Behauptung, dass die heutigen Wissenschaftler den Informationsgehalt eines jeden der 3,2 Milliarden Basenpaare des menschlichen Genoms bestimmen können, ist derartig absurd, dass sich der Verdacht auf eine ideologisch induzierte gezielte Falschinformation auftut.

Es ist schlicht falsch zu meinen, man könne aus numerischen Unterschieden im Genotyp auf den Grad von Unterschieden im Phänotyp schließen. Hierzu ein – zugegeben: vereinfachendes – Beispiel:

Genetischer Code ist in einzelnen Zeichen gespeicherte Information, wie etwa bei der Zahl 3,14159 … . Die Zahl 314,159 … unterscheidet sich hiervon nur minimal. Genau genommen ist der numerische Unterschied beliebig klein: die Zahlenfolge ist unendlich lang. Der numerische Unterschied zwischen der Zeichenfolge 3,14159 … und dem einen Zeichen π ist dagegen beliebig groß. Der Informationsgehalt von 3,14159 … und π ist jedoch identisch; der von 3,14159 … und 314,159 … unterscheidet sich um Faktor 100. Lässt man das Komma ganz weg, ist der Unterschied unendlich.

Ich will damit zeigen, dass es naiv ist, aus der Größe von numerischen Unterschieden in der Gensequenz auf das Ausmaß der Unterschiede der hieraus resultierenden Information und damit des Phänotyps schließen zu wollen. Das mathematische Beispiel mag abstrus anmuten. Tatsache ist aber, dass die Veränderung nur einer einzigen Nukleinbase weitreichende, nach heutigem Stand der Wissenschaft nicht vorhersehbare Folgen haben kann (Punktmutation).

Dass zwischen menschlichen Gruppen genetische Gradienten verlaufen, dass die genetische Diversität beim Menschen gleitend ist, ist offensichtlich und wird gerade von übelsten Rassisten besonders hervorgehoben – Stichwort: Rassenhygiene.

… gesellschaftlich

Rassismus ist ein hochaktuelles und extrem emotional aufgeladenes Thema. Das war nicht immer so. Das Stichwort Menschenrassen wird im Meyers Konversations-Lexikon, dem Nachschlagewerk des allgemeinen Wissens von 1897 auf 10 Seiten abgehandelt – die ethnografische Karte unten nicht mitgezählt:

Menschenrassen, die verschiedenen, durch besondere typische Eigenschaften (Rassencharaktere) gekennzeichneten Gruppen, in die das Menschengeschlecht zerfällt. Diese in ihrer Heimat sich gleichbleibenden Charaktere sind vorwiegend auf den körperlichen Bau begründet, wenn auch andere das Gemüt und die Geistesanlagen betreffende Eigentümlichkeiten, die sich in Sprachen, Sitten, Religionsgebräuchen etc. ausprägen, nicht außer Acht gelassen werden dürfen. …

Unter Rassismus findet sich freilich kein Eintrag. Der Begriff Rassismus entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts in der kritischen Auseinandersetzung mit auf Rassentheorien basierenden politischen Konzepten, weiß Wikipedia zu berichten. Das bedeutet nicht, dass es das Phänomen früher nicht gab. Das rassistisch geprägte Weltbild wurde als so selbstverständlich empfunden, dass niemand auf die Idee kam, dieses eigens zu benennen.

Ebenso selbstverständlich sollte – nein: muss! – es heute sein, sich vom Rassismus entschieden zu distanzieren. Das tue auch ich mit allem Nachdruck: Es ist ein Unding, einzelne Menschen oder Gruppierungen aufgrund ihrer Rasse zu benachteiligen. Dass Menschen aber naturgemäß wegen ihrer Rassenmerkmale benachteiligt werden, ist eine Tatsache. Diese Äußerung, dessen bin ich mir sicher, wird aus dem Zusammenhang gerissen werden und für einen Shitstorm sorgen. Ich kann gar nicht genug betonen, wie egal mir das identitätspolitisch korrekte Gegeifer ist.

… hinsichtlich Fakten

Die von den Biologen zitierten Beweise für die Nichtexistenz von Rassen sind keine, wie ich dargelegt habe. Es gibt aber eine große Zahl von offensichtlichen Befunden, an denen diese Biologen nicht vorbeikönnen – auch wenn sie gebetsmühlenartig das Gegenteil behaupten.

Hier sei nur die Hautfarbe angeführt. Afrikaner sind mehr oder weniger dunkel – jedenfalls dunkler als Nordeuropäer. Dunkle Eltern bringen dunkle, helle Eltern helle Kinder zur Welt. Das liegt daran, dass Hautfarbe vererbt wird, also im Genom festgeschrieben ist. Die bedauerliche Unfähigkeit der Experten, diese Erbinformation zu finden, ändert nichts an deren Existenz.

Hautfarbe ist kein Wert an sich, bedingt aber Konsequenzen, die sehr wohl Wert oder Unwert haben: Dunkle Haut ist weniger sonnen empfindlich als helle, ist also in Afrika in dieser Hinsicht mehr wert als helle. In heller Haut wird auch bei wenig Licht Vitamin D gebildet. Das funktioniert bei dunkler nicht so gut. Helle Haut ist also in Nordeuropa in dieser Hinsicht wertvoller als dunkle. Diese Wertungen aus ideologischen Gründen zu ignorieren, zieht unter Umständen Hautkrebs für Weiße und Rachitis für Schwarze nach sich.

… hinsichtlich der wissenschaftlichen Redlichkeit

Ich deutete oben schon den Verdacht auf eine ideologisch induzierte, gezielte Falschinformation an. Die genannten Biologen machen glauben, dass sie die Information eines jeden Buchstaben des menschlichen Genoms bestimmen können:

Es gibt – um es explizit zu sagen – somit nicht nur kein einziges Gen, welches „rassische” Unterschiede begründet, sondern noch nicht mal ein einziges Basenpaar.

Das ist schlicht Unsinn. Denn erstens sind wir sehr weit davon entfernt, die Bedeutung einzelner Basenpaare zu verstehen und zweitens werden Hautfarbe, aber auch Körperbau, Haarstruktur etc. etc. offensichtlich vererbt. Wie das ohne Gene funktionieren soll, erklären die Biologen nicht.

Weiterhin ist es ein Unding, die Nicht-Existenz einer Sache beweisen zu wollen. Das gilt um so mehr, als dass diese Sache, Menschenrassen nämlich, nicht eindeutig definiert ist, wie die Jenaer selbst einräumen:

Festzulegen, welche taxonomische Unterschiedlichkeit bzw. genetische Differenzierung ausreichend wäre, um Rassen bzw. Unterarten zu unterscheiden, ist aber rein willkürlich und macht damit auch das Konzept von Rassen/Unterarten in der Biologie zu einem reinen Konstrukt des menschlichen Geistes.

Während der bereits genannte Biologe Ernst Mayr noch für geographische Rassen […] in der Biologie allgemein die notwendige „taxonomische Unterschiedlichkeit” zwischen geografisch getrennten Populationen einer Art betone, werde heute diese taxonomische Unterschiedlichkeit überwiegend aus einer genetischen Distanz bestimmt.

Hier handelt es sich um einen, wie ich zugeben muss, bemerkenswerten logischen Salto mortale: Der Begriff Menschenrassen wird umdefiniert. Es geht jetzt nicht mehr um Äußerlichkeiten des Phänotyps, sondern um den Genotyp, die genetische Distanz. Diese Distanz nun ist nach heutigem Stand nicht erkennbar und deswegen gibt es das zuvor Umdefinierte gar nicht.

Ich kann sehr gut verstehen, dass die Jenaer Biologen Rassismus verabscheuen – ich tue das auch. Sie versuchen, Rassisten die Grundlage zu entziehen, indem sie ihre Wissenschaft dahingehend beugen, dass die Nicht-Existenz von Menschenrassen bewiesen wird. Sie tun ihrem Anliegen damit nichts Gutes. Wissenschaft taugt nicht zur Untermauerung von Ideologien, denn wissenschaftliche Aussagen zeichnen sich dadurch aus, dass sie falsifizierbar sind, woran Ideologen ganz und gar nicht gelegen ist.

Es zeugt nicht von überragender taktischer Intelligenz, Offensichtlichkeiten als Fake abzutun. Vielmehr sollte man Fakten anerkennen und hieraus sinnvolle Konsequenzen ziehen. – Hautfarbe sollte zur Kenntnis genommen werden und Sonnenschutz, respektive Vitamin-D-Prophylaxe angepasst werden. Wer versucht, sich Vorteile zu verschaffen, indem er von der Hautfarbe auf eigene prinzipielle Überlegenheit schließt, ist ein Rassist, dem mit aller Schärfe widersprochen werden muss.

Sprachregelung

Der Nichtgebrauch des Begriffes Rasse sollte heute und zukünftig zur wissenschaftlichen Redlichkeit gehören.

Wie praktisch: Begriffe werden verboten und unerwünschte Ideen so unterbunden. Ich schrieb in meinem Kommentar:

Große Probleme habe ich mit diesbezüglichen Verboten: Versuche in dieser Richtung haben für mich einen totalitären Anklang (Goebbels war ein Großmeister in Sachen Sprachregelung).

Ich korrigiere mich hier: Ich habe keine Probleme mit solchen Verboten – ich ignoriere sie. Ich habe keine Probleme mit dem Begriff Rasse. Freilich kann man auch Ethnie sagen. Das ändert gar nichts, wie die Jenaer Biologen immerhin einsehen:

Eine bloße Streichung des Wortes „Rasse“ aus unserem Sprachgebrauch wird Intoleranz und Rassismus nicht verhindern.

Ich bleibe bei Rasse, schon um gegen die unheilige Inquisition der Sprachregler zu opponieren. Auf ein Sonderexemplar von Inquisitorin bin ich in DER SPIEGEL Nr. 41 / 5.10.2019 gestoßen. Es handelt sich um Jule Bönkost, Amerikanistin, Institut für diskriminierungsfreie Bildung. Sie stellte klar:

Begriffe sind nicht dafür da, Äußerlichkeiten zu beschreiben.

Solche Inquisitoren sind in ihrem grotesken Sprach-Fanatismus grenzenlos, stellen zum Teil völlig absurde Ge- und Verbote auf. Erstaunlicherweise beugt sich der Mainstream einiger solcher Vorgaben. So ist der Begriff Neger zum N-Wort geworden, nicht aussprechbar, schon gar nicht schreibbar. Pipi Langstrumpfs Vater, der Negerkönig, wird zum Südseekönig verdruckst. Ein Komitee gegen gewalttätige Süssigkeiten will die Firma Dubler AG aus Waltenschwil dazu zwingen, das Wort Mohrenkopf nicht mehr zu verwenden und die Süßigkeiten umzubenennen.

Dagegen haben viele Aktivisten der Hip-Hop-Kultur keine Probleme damit, sich selbst und ihresgleichen als Nigger oder Nigga zu bezeichnen. Einen besonderen Kick gibt es wohl, dass die Wigga das nicht dürfen.

Ich bin davon überzeugt, dass die zwangsneurotische Tabuisierung der Worte Neger oder Mohr wie auch Rasse gar nichts bewirkt. Entscheidend ist die Intention, die hinter der Verwendung solcher Worte steht. Sicherlich wurden und werden die Bezeichnungen auch mit rassistischer Absicht verwendet. Das impliziert jedoch keineswegs, dass das immer so ist.

Ganz anders freilich sieht das die oben zitierte Dame: Es sei angezeigt, Selbstbezeichnungen von Menschen mit Rassismuserfahrungen zu verwenden, also nicht dunkelhäutig oder Menschen mit dunkler Hautfarbe, sondern Schwarzgrundsätzlich großgeschrieben, um der Bedeutung Ausdruck verleihen. Erlaubt seien außerdem die Begriffe afrodeutsch und People of Color. Nach dieser Festlegung wäre die Vokabel Nigger also auch korrekt.
(Zur Klarstellung: Das mag Frau Bönkost so sehen. Diese Ideologin hat für mich keinerlei Relevanz. Ich mache mir das Hip-Hop-Vokabular nicht zu eigen.)

Nachtrag zum Thema schwarz:
Es gibt nicht nur in Deutschland idiotische Sprach-Verkrampfungen. Im Berlitz Sprachkalender Englisch war zu lesen, dass blackboard (= Schwarzbrett) für Schultafel als politisch nicht korrekt gilt. Es müsse chalkboard (= Kreidebrett) heißen.

Schlussbemerkung: Rassebedingte Intelligenzunterschiede

Ich halte es für denkbar, sogar für höchst wahrscheinlich, dass S[?!]chwarze Menschen sich hinsichtlich ihres Durchschnittswertes der Intelligenz von weißen unterscheiden – einzelne sogar signifikant. Als Beispiel seien Barack Obama und Donald Trump angeführt. Eine diesbezügliche unvoreingenommene statistische Untersuchung verbietet sich selbstverständlich aus ethischen Gründen (, behaupte ich mal zur Ehrenrettung der w[?!]eißen).

ethnografische Karte