Exkurs:
Legenden

Das Leben Jesu ist von zwei Legenden eingerahmt, von der seiner Geburt und der seines Todes. Beide haben den Zweck, ihn als Sohn Gottes zu erhöhen, um letztlich eine neue Religion zu fundamentieren. Ich werde zeigen, dass es bei dieser Legendenbildung nicht in erster Linie um die tatsächliche Existenz der historischen Person Jesus geht und ich werde seine vorgebliche Mutter, Maria, exkulpieren.

Hierbei werde ich mich streng an den Kriterien naturwissenschaftlicher Evidenz orientieren, also sparsam im Sinne Ockhams alles abrasieren, was nicht plausibel ist. Das mag Religiösen nach Einengung des Gesichtsfeldes klingen, ist aber das genaue Gegenteil.

Die Geburt Jesu

Maria mit Joint

Die Legenden um die Geburt Jesu sind für den christlichen Glauben so grundlegend, dass sie den Anlass zu Weihnachten bildet, was nicht wenige für die wichtigsten Feiertage des Jahres halten. (Nach Maßgabe der Liturgie ist Ostern, in Verbindung mit der zweiten zu besprechenden Legende wichtiger.)

Die Existenz eines jeden höheren Lebewesens setzt dessen Geburt voraus. Der Geburt geht die Zeugung, also die sexuelle Vereinigung eines männlichen und eines weiblichen Vertreters gleicher Spezies voraus. Andere Optionen gibt es nicht.

Aus dieser Erkenntnis – Inhalt Sexualkunde Grundschule – ergibt sich zwingend, dass die Weihnachtsgeschichte ein Märchen ist. Eine interessante Frage ist, wer dieses Märchen wem aufgetischt hat. Die Tatsache, dass nach der fantastischen Schilderung der Umstände der Geburt bis zu seiner Taufe etwa im 30. Lebensjahr des Heilands fast nichts vom ihm berichtet wird, legt den Schluss nahe, dass zum letzteren Zeitpunkt die Legendenbildung begann, dass also erst dann die Umstände seiner Geburt konfabuliert wurden.

Unter Atheisten wird meist angenommen, Maria habe die göttliche Schwängerung erfunden, um ihre außereheliche Schwangerschaft zu vertuschen. Mit dieser Ausrede sei sie unfassbar erfolgreich gewesen, habe nicht nur ihren gehörnten Ehemann, sondern die gesamte Christenheit mit einer grotesken Lüge hinters Licht führen können. Diese Annahme ist ein unerschöpflicher Quell von Spott und Häme. Auch ich bin nicht frei davon, wie meine Grafik belegt.

Ich halte es aber für denkbar, dass man dieser Frau Unrecht tut. Hierauf werde ich noch zurückkommen. Zunächst zur zweite Legende:

Die Auferstehung Jesu

Ostern

Das liturgisch wichtigste christliche Fest ist Ostern. Hier geht es nach allgemein überwiegender Ansicht um Hasen, die bunte Eier verstecken. Eine Minderheit in Deutschland feiert jedoch Jesu Wiederauferstehung, drei Tage, nachdem er gestorben ist.

Auf die Plausibilität dieser Aussage wies ich schon an anderer Stelle hin: G-E-S-T-O-R-B-E-N!
Zur Information: Der Tod ist das endgültige Versagen aller lebenserhaltenden Funktionsabläufe (Wikipedia).

Mehr gibt es zu dieser Legende in sachlicher Hinsicht nicht zu sagen. Es stellt sich jedoch die Frage, wie es zu diesen Fantastereien kam.

Legendenbildung

Wie oben schon angedeutet, ist das Märchen göttlicher Schwängerung zur Erklärung einer außerehelichen Schwangerschaft derartig absurd, dass keine Frau jemals auf diese Idee käme. Ihr wäre nicht geglaubt worden. Auch Joseph hätte das nicht getan, wenn seine Frau Maria ihm das erzählt hätte.

Ich halte eine ganz andere Theorie für plausibler: Jesus war ein junger Mann mit religiösem Geltungsdrang. Hierin unterschied er sich nicht von einer Reihe anderer Wanderprediger jener Zeit. Was ihn besonders machte, war sein erhebliches Charisma. Hierdurch gelang es ihm, einige Menschen an sich zu binden, die ihrerseits bestrebt waren, ihren Führer durch Legendenbildung zu überhöhen. Jesus selbst mag auch dazu beigetragen haben.

Zauberstab

Diese Legendenbildung wurde systematisch betrieben, begann mit der Behauptung einer Jungfrauengeburt. Dieses Phänomen war ein verbreiteter Mythos. Zum Beispiel sind Pharaonen, griechische, aber auch chinesische Gottheiten oder Herrscher so zur Welt gekommen – selbstverständlich immer mit göttlicher Beteiligung.

Diese Zuschreibung geschah dann also etwa 30 Jahre nach Jesu Geburt, möglicherweise ohne Zutun, ja, ohne Wissen Mariens. Der Erzählung nach distanzierte sich Jesus selbst von den tatsächlichen, profanen Umständen seiner Geburt und ging nicht gerade zimperlich mit seiner Mutter um und herrschte sie anlässlich der Hochzeit von Kanaan an: Was habe ich mit dir zu schaffen, Frau? (Joh. 2,4) So offenbarte [er] seine Herrlichkeit (a. a. O. Vers 11). Nun ja, ein Familienmensch der Sonderklasse eben.

Im Laufe der Zeit wurden Jesus eine ganze Anzahl von Wundern angedichtet. Anlässlich der oben genannten Hochzeit soll er zum Beispiel Wasser in Wein gewandelt haben (und nicht wie Unsereins zunächst Geld in Wein und das dann in Wasser). Alles das überhöhte diesen Jesus von Nazaret, König der Juden (INRI) ins Unermessliche. Dieser Triumph fand laut Bibel seinen Höhepunkt am Palmsonntag, am Einzugs Jesu in Jerusalem. Wenige Tage später dann verreckte er dann am Kreuz. (Diese Todesart kann wahrhaftig nicht anders benannt werden.)

Das bedeutete für die Anhänger eine Katastrophe: Ihr göttlicher Held war nicht mehr, das ganze mühsam aufgerichtete Wahngebilde war wie ein Kartenhaus in sich zusammengestürzt. Rettung konnte da nur eine neue Legende bringen, sei sie auch absurder als alle vorausgegangenen. Der Kern der Fangemeinde ersann die Auferstehung, drei Tage nach dem Fiasko. Die schmähliche Niederlage wurde im Handumdrehen zu einem glorreichen Sieg. Kein Wunder, dass dieser Trick als für das Christentum am bedeutendsten gefeiert wird.

Die tatsächliche Rolle Jesu

Die historische Existenz Jesu wird von namhaften Forschern zumindest in Zweifel gezogen. Jedenfalls ist die Quellenlage, abgesehen von den Erfindungen in der Bibel, äußerst dünn. Das aber spielt keine Rolle. Dieser Mann diente nur der Projektionsfläche für die diversen Legenden. Es ist auch nebensächlich, ob er, wenn er denn existierte, sich selbst an der Mythenbildung beteiligte oder gar selbst daran glaubte. Genauso irrelevant ist, ob seine vermeintliche Mutter von ihrem Mann geschwängert wurde oder ob sie ihm ein Kind unterschob.

Ziel der Legendenbildung waren nicht diese Personen, sondern das Bestreben, einen neuen religiösen Wahn zu installieren und zu fundamentieren. Das ist in bedauernswertem Maße gelungen.