Das Auge:
ein Beispiel für intelligent design?

Gottes allsehendes Auge

Kreationisten verweisen gern auf die wunderbare Schöpfung des Auges. Sie sehen darin ein Beispiel für intelligent design, einen Beleg für Gottes Wirken und damit freilich für einen Beweis für dessen Existenz.

Ist das Auge denn tatsächlich unübertrefflich? – Ist es zumindest das Auge der Krönung der Schöpfung, des Menschen also?

Dieser Frage geht Christian Kalwas in seinem Buch Gott ist ein Arschloch – Intelligent Design. Eine Polemik nach – drastisch und polemisch, aber fundiert. Kalwas nimmt sich des Problems der Theodizee an. Er unterstellt vordergründig, Gott sei allmächtig, und stellt diesen Anspruch den Unvollkommenheiten der Schöpfung gegenüber. Das führt ihn zwingend zur Schlussfolgerung: Dieser allmächtige Gott outet sich durch seine willentlich produzierte Leid verursachende Schöpfung als sadistischer Widerling, als Arschloch eben.

Der Autor hat mir freundlicherweise eine umfangreiche Leseprobe freigegeben.

Der geneigte Leser mag sich fragen, ob der Verfasser dem vier-Worte-Statement Gott ist ein Arschloch zustimmt. Da kann ich die Gemüter beruhigen: Tue ich nicht – schon dem zweiten Wort widerspreche ich energisch! Gott ist nicht – und wer nicht existiert, kann definitiv auch kein Arschloch sein. Zu diesem Ergebnis kommt auch der französische Schriftsteller Stendhal:

Die einzige Entschuldigung Gottes ist, dass er nicht existiert.

Allerdings wird von dieser Ausgeburt absonderlicher Fantasien diverses berichtet – besonders in dem als heilig gewähnten Splatter-Text, der Bibel. Dort wird erzählt, wie abgrundtief bösartig Gott sein soll. So werden mit seiner Billigung und sogar auf seinen Befehl hin Schwangere aufgeschlitzt und Kinder zerschmettert. Auch widerwärtigster Zynismus wird ihm zugeschrieben, wie das Märchen von Hiob belegt.

Man mag nun meinen, dass sowohl Bösartigkeit als auch Zynismus – beides in göttlichem Ausmaß – mehr als genug sind für das Prädikat Arschloch. Stimmt. Ich möchte hier noch ein Sahne(?)häubchen draufsetzen: geradezu unfassbar bornierte Kleinkariertheit – selbstverständlich verbunden mit den beiden bereits genannten Abartigkeiten. Die Geschichte ist rasch erzählt:

Steinigung

Ein Mann sammelt am Samstag Holz. Nun ist bekannt, dass Gott diese Tätigkeit an jedem Tag erlaubt, nur eben am Samstag nicht. Gott wird dazu befragt. Der antwortet auch prompt. (Die Geschichte handelt zu Moses Zeiten. Heutzutage ist der ausgesprochen wortkarg.) Gott befahl also:

Der Mann soll des Todes sterben; die ganze Gemeinde soll ihn steinigen draußen vor dem Lager. (4. Mose 15,35)

Steinigung ist eine als besonders grausam geltende und relativ langsame Hinrichtungsart (Wikipedia). – Und das für Holzsammeln am falschen Tag! Der Leser mag entscheiden: Geht noch mehr Arschloch?

Betrifft aber alles nicht Gott. Wegen: Ist nicht. Alles Quatsch in der Bibel. Oder?
Durchaus komische Aspekte ergeben sich übrigens, wenn man die Bibel wörtlich nimmt.

Im Exkurs Dinge an sich habe ich weitere Betrachtungen zum Thema Auge zum Besten gegeben.